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Zur Person

Zunächst einmal zu meiner Person. Ich bin 26 Jahre alt und Informatikstudent im 11. Semester an der Christian–Albrecht–Universität in Kiel mit Nebenfach Betriebswirtschaftslehre.

 

Motivation und Zielsetzung

Im Sommer letzten Jahres war es für mich an der Zeit, mich um einen Praktikantenplatz zu kümmern. Da ich bis dahin nur wenig über den Ablauf eines solchen Praktikums gehört hatte, befragte ich zunächst zwei meiner Kommilitonen, von denen ich wusste, dass sie ein solches schon gemacht hatten.

Leider stellte sich heraus, dass beide ihre Praktika bei kleinen Firmen hier in Kiel absolviert hatten und auch ihre Tätigkeiten nicht allzu anspruchsvoll gewesen waren. Anscheinend sehen auch heute noch Firmen Praktikanten als billige Arbeitskräfte an, denen man nicht zu viel Verantwortung übertragen darf und man deshalb schnell zum Kaffeekocher, Botenjunge oder Kopierer abkommandiert wird.

Das sollte bei mir selbstverständlich anders werden und außerdem wollte ich unbedingt mal für eine Weile weg aus Kiel.

 

Erste Bewerbungserfahrungen

Was mir nun noch fehlte war eine Liste von Firmen, die überhaupt Praktika im Fachbereich Informatik anboten. Natürlich wieder völlig unwissend, erinnerte ich mich an die Börse für Praktika und Diplomarbeiten im Anzeigenteil der Computerwoche - Young Professional. Für dieses Magazin habe ich seit einiger Zeit ein Abonnement, da ich irgendwann an einer Umfrage im Internet teilgenommen hatte, die von der Computerwoche durchgeführt wurde.

Da ich wie gesagt überhaupt keine Ahnung hatte, wie ein solches Praktikum abläuft, schrieb ich E-Mails an einige der Firmen aus dem erwähnten Anzeigenteil. An dieser Stelle gleich ein erster Rat von mir. Auf E-Mails, in denen man schreibt, dass man gerne mehr Informationen über ein Praktikum bei dieser Firma hätte, antwortet niemand! Dieses musste ich leider auch feststellen.

Nach ein paar Wochen erfolglosen Wartens auf eine Antwort wusste ich, dass ich meine Taktik ändern muss. Also schrieb ich diesmal eine ganz unmissverständliche E-Mail, in der ich mich um einen Praktikantenplatz in dieser Firma bewarb und als Anhang schickte ich auch gleich meinen Lebenslauf mit.

 

Reaktionen der Firmen auf die Bewerbung

Interessant waren die unterschiedlichen Reaktionen. Zunächst einmal antworteten mir diesmal alle angeschriebenen Firmen. Die etwas größeren und renomierteren Firmen vorerst mit einer Eingangsbestätigung und dem Hinweis, dass die Unterlagen erst einmal überprüft und durch den Verwaltungsapparat müssten. Ein paar der kleineren Firmen waren da etwas schneller.

Diese schickten hauptsächlich E-Mails zurück, in denen sie Fragen zu meiner Mobilität, Einsatzort, Vorkenntnisse, etc. hatten. An dieser Stelle tat sich schon eine dieser Firmen hervor, die als Anhang ein Beraterprofil mitschickte, welches es auszufüllen galt. Dieses erleichtert dem Bewerber ungemein die Aufgabe, seine aktuellen Fähigkeiten sinnvoll darzustellen.

Während ich auf diese Weise schon die ersten persönlichen Kontakte mit den kleineren Firmen hatte, erhielt ich nun von den großen Unternehmensberatungen die Aufforderung, vollständige Bewerbungsunterlagen einzuschicken. Also machte ich mich an die Arbeit, beglaubigte Zeugniskopien rauszusuchen, ein Anschreiben zu formulieren und was zu vollständigen Bewerbungsunterlagen eben dazu gehört.

Auf der anderen Seite hatte ich mittlerweile schon meine ersten persönlichen Telefonate. Die Angebote und natürlich auch Anforderungen variierten aber deutlich. Die eine Firma konnten mich weder finanziell noch bei der Suche nach einer Unterkunft unterstützen, andere wollten mich zunächst zu einem persönlichen Gespräch einladen und bei der finanziellen Vergütung gab es doch erhebliche Unterschiede.

 

Entscheidungskriterien für die Firmenauswahl

Aus all diesen Kontakten tat sich doch deutlich eine Firma aus dem schwäbischen Mössingen hervor: 3f - Gesellschaft für Management und Technologieberatung mbH. Der Geschäftsführer, Joachim Baudisch, nannte mir verschiedene Projektstandorte, an denen er sich einen möglichen Einsatz meiner Person vorstellen könne. Dabei handelte es sich um Essen, Tübingen und die Schweiz.

Das Angebot dieser Firma erfüllte mehr als meine Erwartungen und der Prozess der Bewerbung selbst erwies sich als unkomplizierter als bei allen anderen. Zum einen bot man mir Unterstützung bei der Wohnungssuche und die Übernahme sämtlicher Kosten an. Des weiteren garantierte man mir, meine Heimreisen zu bezahlen, und auch die finanzielle Vergütung stellte alle anderen bisherigen Angebote in den Schatten.

Da sich aus den ersten Gesprächen ein gewisses Vertrauensverhältnis aufbaute, verzichtete man völlig auf ein Vorstellungsgespräch und man wagte mit mir den Sprung ins kalte Wasser. Mittlerweile hatte sich auch der Einsatzort auf ein Projekt in Tübingen festgelegt und ein erstes Telefonat mit dem Projektleiter zeigte mir auch sofort, dass die Anforderungen an mich, äquivalent zu der Exklusivität dieses Angebots, sehr hoch sein würden. Die Gesamtprojektleitung lag dabei in den Händen von Adrian Weiler, einem hochqualifizierten Softwareexperten und Mitarbeiter einer mit 3f GmbH kooperierenden Firma "INTEC International GmbH" aus Hechingen.

 

Der Sprung ins kalte Wasser

Der Beginn des Praktikums wurde auf den ersten Oktober festgelegt und ehe ich mich versah saß ich auch schon, bedingt durch die Feiertage am vierten Oktober, im Flugzeug von Hamburg nach Stuttgart. Ich wurde von Joachim Baudisch persönlich am Flughafen abgeholt und nach einem kurzen Abstecher nach Mössingen und der Erledigung erster Formalitäten erwartete mich auch noch am gleichen Tag ein erstes Treffen mit dem Projektleiter.

Hier wurde ich zum ersten mal mit der Professionalität dieses Gewerbes (Unternehmensberatung) konfrontiert. Da wurden Zeitpläne für das Projekt aufgestellt und ich erhielt meine Einweisung in die eigentliche Aufgabe, die es zu erfüllen galt.

Ziemlich schnell wurde mir klar, dass das nichts mit Kaffee kochen oder Fotokopieren zu tun hatte. Es wurde erörtert, dass ich in völliger Eigenverantwortung direkt beim Kunden, einer große Werkzeugmaschinenfabrik in Tübingen, arbeiten würde.

 

Die fachliche Herausforderung

Das eigentliche Projekt umfasste die Umsetzung eines aus den Anfängen der EDV-Zeit stammenden Programms, welches die Firma nutzt, um Werkzeuge verwalten, modifizieren und entwerfen zu können.

Dieses Programm hatte einen jahrelangen Entwicklungsprozess hinter sich und war von einem durchaus fähigen "Hobby" - Programmierer in Quick Basic für DOS geschrieben worden. Durch die starken Beschränkungen, die DOS nun einmal mit sich bringt, war man nun an seine Grenzen gestoßen und eine Umsetzung dieses Programms auf heutige Standards längst überfällig.

Außerdem befand sich das gesammelte Know-how der Firma in zehntausenden von Text Dateien, in denen die Parameter der einzelnen Werkzeuge festgehalten wurden. Diese Erfahrungswerte sollten natürlich erhalten bleiben und jederzeit abrufbar zur Verfügung stehen. Das Projekt umfasste außerdem noch den Import dieser Daten in eine pflegeleichte und übersichtliche Datenbank.

Für die Umsetzung der Aufgabe entschied man sich für Visual Basic (Programm und Oberfläche) und MS-Access als Datenbank. Das erste Gerüst und der Import der Daten waren zu dem Zeitpunkt als ich das Projekt übernahm schon vorhanden. Selbstverständlich waren alle Aufgaben dieses Projektes in einem Pflichtenheft sorgfältig erfasst und der Umfang zu groß, um alles in meinem Praktikumszeitraum zu erfüllen. Deshalb wurden mir aus dem Pflichtenheft zwei Hauptaufgaben zugewiesen, die ich nach eigenem Wissen und Gewissen in dieser Zeit bewältigen sollte.

Zum einen war dies eine Benutzerführung zur Erstellung von Werkzeugen und die automatische Parametrierung. Darunter kann man sich vorstellen, dass der Benutzer nur eine Handvoll von Parameter eingeben muss, um ein vollständiges Werkzeug zu entwerfen. Dieser Programmteil hatte beim Kunden natürlich eine hohe Priorität, da die Designer des Werkzeuges damit die Möglichkeit haben, ein Werkzeug sehr schnell zu entwickeln, das hunderte von Parametern umfasst, die dann automatisch für den Benutzer generiert werden.

Während meiner Zeit bei der Werkzeugmaschinenfabrik wurde ich dann in die tiefsten Geheimnisse des Maschinenbaus eingewiesen, angefangen von einer sehr ausführlichen Werksführung bis hin zur 5-Achsberechnung der CNC-Maschinen, die mein Ansprechpartner beim Kunden nicht ohne Stolz auf seine Firma präsentierte.Was war mit den anderen Bwerbungen?

Während ich also hier in Tübingen schon bis zum Halse in Arbeit steckte, trudelten die nächsten Reaktionen der anderen Firmen ein. Aber immer noch ohne jegliche Konkretisierung des Praktikums selber. Die einen erkundigten sich, ob ich mir denn auch vorstellen könnte, bei ihnen meine Diplomarbeit zu schreiben und ignorierten mein Praktikumsgesuch von nun an völlig. Die eine oder andere Absage war natürlich auch dabei und irgendwelche Einladungen zu Vorstellungsgesprächen, bei denen ich selber für meine Anreise und Unterbringung sorgen sollte, konnte ich ja nun mit ruhigen Gewissen ablehnen. Außerdem bestärkten mich diese Vorgehensweisen nur noch mehr in meiner Entscheidung für 3f Gmbh.Die Betreuung während des Praktikums

Im Verlauf der nächsten Wochen hatte ich das Gefühl, dass die Betreuung des Praktikums davon abhängig gemacht wurde wie selbstständig der Praktikant, also ich, arbeiten kann. Mein Projektleiter besuchte mich mindestens einmal die Woche, um sich einen Statusbericht abzuholen, mich bei Problemen zu beraten und auch eigene Verbesserungen und Erweiterungen einzubringen.

Schon nach 2-3 Wochen ließ man mir so ziemlich freie Hand bei der Umsetzung der Aufgabe und proportional dazu wuchs das Vertrauen in meine Fähigkeiten und man sah sich nicht genötigt, umfangreichere Hilfestellungen zu geben. Trotzdem hatte ich immer das Gefühl, dass wenn ich mal in größere Schwierigkeiten gekommen wäre, dann hätte ich sofort mit Hilfe an meiner Seite rechnen können. Es kam also nie der Gedanke auf, dass man mich mit dieser doch sehr anspruchsvollen und umfangreichen Aufgabe alleine im Regen stehen lassen würde.Unterkunft, Heimreisen, etc.

Die Wohnungs- bzw. Zimmersuche gestaltete sich auch als Glücksfall. Nachdem ich die ersten drei Tage im Hotel verbracht hatte, kümmerte sich Joachim Baudisch persönlich zusammen mit mir um eine Unterkunft und wir wurden ein paar Kilometer entfernt von Tübingen bei Bekannten meines Chefs fündig. Somit wohnte ich knapp drei Monate bei einem sehr netten Ehepaar zur Untermiete, die es gewohnt waren eines ihrer Zimmer an Studenten zu vermieten. Man stellte mir einen PC für mein neues Zuhause zur Verfügung, damit ich auch außerhalb der Bürozeiten des Kunden die Möglichkeit hatte zu arbeiten.

Meine Heimflüge wurden mir wie versprochen bezahlt. Was sich anfänglich noch als sehr abenteuerlich für einen Studenten wie mich erwies, wurde schnell zum Alltagstrott. Schließlich wollte man an einem Freitag Abend nur möglichst schnell nach Hause und ins Wochenende und an einem Montag Morgen möglichst unkompliziert zur Arbeit. Leider waren diese Flüge grundsätzlich vollgestopft mit Geschäftsleuten, die genau dieses Ziel mit allen Mitteln genauso wie ich selbst erreichen wollten.Tips und Tricks

Alles in allem war dieses Praktikum mit Sicherheit kein 08/15 Praktikum und ich kann mit Sicherheit sagen, dass ich eine Menge in diesen drei Monaten gelernt habe und sicherlich nicht nur Fachliches.

Man kann nur jedem Studenten der Informatik raten, ein vergleichbares Praktikum anzustreben, da man so einen tiefen Einblick in die Welt der IT-Beratung erhält und man nur so feststellen kann, ob diese Form der Projektarbeit geeignet für einen ist oder nicht. Abschrecken lassen sollte man sich nicht durch den möglichen Umfang eines solchen Projektes oder den Anforderungen, die möglicherweise gestellt werden.

Ich habe zum Beispiel nie ein Programm von solcher Komplexität und Funktionalität in Visual Basic geschrieben und auch das Fachwissen aus dem Bereich des Maschinenbaus, welches ich mir aneignen musste, war enorm. Trotzdem denke ich, dass gerade der Bereich IT viel zu dynamisch ist, als dass man darauf hoffen kann, dass man Aufgaben gestellt bekommt, für die man schon über das geforderte Fachwissen verfügt. Dies wird so gut wie nie der Fall sein und man sollte einfach als guter Akademiker darauf vertrauen, sich auch in neue Materie schnellstmöglich einarbeiten zu können. Das macht dann den wahren Projektarbeiter aus.

Oliver Kraus, (okraus@hotmail.com <mailto:okraus@hotmail.com>)

Praktikum von Oktober 2000 bis Mitte Januar 2001

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